So funktioniert der Geschmacksfinder

Der Geschmacksfinder übersetzt Alltagsvorlieben in ein Geschmacksprofil und vergleicht es mit den Werten, die wir beim Verkosten alkoholfreier Weine vergeben haben. Eine KI ist nicht beteiligt: Bei gleichen Antworten kommt immer dasselbe Ergebnis heraus.

Welche Merkmale wir vergleichen

  • Süße: wie süß der Wein schmeckt
  • Säure: das Frische, das dir den Mund wässrig macht
  • Körper: wie voll und dicht sich der Wein im Mund anfühlt
  • Gerbstoff: das Herbe, das den Mund leicht trocken macht
  • Perlage: die Kohlensäure, also das Prickeln
  • Aromen: sieben Familien von Zitrus über rote Beeren bis Vanille und Brioche

Die Süße wiegt am schwersten. Studien mit Weintrinkern zeigen klare Gruppen, die sich vor allem darin unterscheiden, ob sie Süßes mögen oder meiden.

Was belegt ist

  • Beim Entzug des Alkohols gehen Aromastoffe verloren, vor allem fruchtige Ester, und das Mundgefühl wird leichter. Wie stark, hängt vom Verfahren ab.
  • Ohne Alkohol wirken Säure und Gerbstoff stärker. Viele Hersteller gleichen mit Restsüße aus. Deshalb arbeiten wir mit dem, was wir im Glas schmecken, nicht mit dem, was man von der Rebsorte erwarten würde.
  • Schaumweine und aromatische Weißweine gelingen alkoholfrei meist besser als kräftige Rotweine, weil Kohlensäure und Fruchtaromen den fehlenden Körper teilweise ausgleichen.
  • Menschen schmecken unterschiedlich empfindlich. Die Studienlage dazu ist aber uneinheitlich, deshalb fragen wir nicht nach Genen oder Tests, sondern nur indirekt und mit geringem Gewicht.

Was eine begründete Annahme ist

Dass Vorlieben bei Saft, Obst, Kaffee und Schokolade etwas über deinen Weingeschmack verraten, ist plausibel: Es sind dieselben Grundgeschmäcker. Für Wein ist das aber nicht Frage für Frage wissenschaftlich geprüft.

Deshalb hat jede Antwort nur ein begrenztes Gewicht, keine Frage entscheidet allein, und „Weiß nicht“ verschiebt nichts. Schwarzer Kaffee zählt zum Beispiel wenig, weil er eher gelernte Gewöhnung an Bitteres zeigt als eine angeborene Vorliebe.

Wie wir verkosten

Jeder empfohlene Wein wurde von mindestens drei Personen verkostet, ohne dass sie das Etikett sehen. Sie bewerten Süße, Säure, Körper und Gerbstoff auf einer Skala von 1 bis 5, die Aromafamilien von 0 bis 3 und die Gesamtqualität nach einem Raster mit bis zu 100 Punkten. An jedem Wein steht, wie viele Personen ihn wann verkostet haben.

Den Restalkohol speichern wir mit Quelle: entweder von uns gemessen oder laut Hersteller.

Wie das Modell besser wird

Bevor der Geschmacksfinder startet, testen Laien ihn in einer Blindverkostung: Die empfohlenen Weine sollen ihnen deutlich besser schmecken als zufällig gewählte. Später fragen wir auf den Weinseiten, ob ein Wein zu deinem Typ gepasst hat. Diese Rückmeldungen sind anonym und verbessern die Gewichte. Jede Änderung bekommt eine neue Modellversion, aktuell 2026-10-v1.

Quellen

  1. Pickering, Hayes (2017): Influence of biological, experiential and psychological factors in wine preference segmentation. Australian Journal of Grape and Wine Research 23(2). Zur Quelle
  2. Hayes, Pickering: Wine Expertise Predicts Taste Phenotype. Zur Quelle
  3. Studie zu PROP, Genvarianten und Weinwahrnehmung (Mendelsche Randomisierung). Zur Quelle
  4. Techniques for Dealcoholization of Wines (Foods, 2021). Zur Quelle
  5. Dealcoholized wine: Techniques, sensory impacts, stability, and perspectives (Review). Zur Quelle
  6. Longo et al.: Changes in volatile composition and sensory attributes of wines during alcohol content reduction. J Sci Food Agric. Zur Quelle

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